Zwischen Tempo und Aufmerksamkeit
30 April 2026Vor zehn bis fünfzehn Jahren sah die Produktion bei EMMA Safety Footwear noch ganz anders aus.
Fast alles fand in den Niederlanden statt, und ein großer Teil der Arbeit wurde von Menschen mit Abstand zum Arbeitsmarkt ausgeführt. Diese sozialen Wurzeln sind bis heute spürbar – doch das Umfeld hat sich grundlegend verändert.
„Wir sind ein niederländisches Produktionsunternehmen mit einer starken sozialen Basis“, sagt Pim Woortman, Head of Production bei EMMA. „Gleichzeitig bewegen wir uns in einem internationalen Markt mit enormer Dynamik. Dieses Spannungsfeld ist in den letzten Jahren deutlich größer geworden.“
Von sozialen Wurzeln zur neuen Realität
„In fast allen Abteilungen bei EMMA arbeiten Menschen mit Abstand zum Arbeitsmarkt – auch im Büro, etwa in der Finanzabteilung oder im Marketing“, erklärt Pim. „Der größte Teil ist jedoch in der Produktion tätig. Gleichzeitig verlagert sich der Fokus in den Niederlanden zunehmend auf kleinere Serien, Nischen und hochwertige Qualität statt Massenproduktion. Dadurch werden Prozesse vielfältiger und weniger vorhersehbar. Die Anforderungen verschieben sich in Richtung technisches Know-how. Man braucht Mitarbeitende, die Maschinen bedienen und Prozesse verstehen – und das sind nicht immer typische Arbeitsplätze für diese Zielgruppe.“
Auch das Umfeld hat sich verändert. Früher war vieles kollektiv organisiert, heute liegt mehr Verantwortung bei den Unternehmen. „Es ist nicht unbedingt teurer geworden“, sagt Pim. „Aber deutlich komplexer. Zusammenarbeit mit Behörden, Jobcoaches und zusätzliche Betreuung kosten Zeit und Energie. Das macht man nicht einfach nebenbei.“
„Ich arbeite an der Fersenmaschine – das ist die beste Arbeit überhaupt."
Joska, produktion (Fersenmachine)
„Ich arbeite an der Fersenmaschine – das ist die beste Arbeit überhaupt. Ich habe im Finish angefangen, bin dann in die Zwickerrei gewechselt und jetzt hier. Es fühlt sich an wie Navigieren – sehr präzise. Die Kollegen sind super, hier gehört jeder dazu.“
Teamleiter Jos über Joska: „Joska ist über das WSP zu uns gekommen. Er ist unglaublich motiviert und ein sehr geschätzter Kollege. Wir müssen ihm sogar Urlaub einplanen – sonst würde er einfach weiterarbeiten!“
Inklusion als Organisationsprinzip
Diese Entwicklungen verlangen ein neues Verständnis von Inklusion. „Inklusion ist längst keine Frage der Absicht mehr, sondern der Organisation“, sagt Pim. „Wenn man schneller und effizienter werden muss, muss man auch ehrlich prüfen, was tatsächlich umsetzbar ist. Wir können in den Niederlanden nicht über den Preis konkurrieren, aber über Flexibilität, Innovation und Qualität. Genau dort entsteht die Spannung: Inklusive Arbeit braucht Stabilität und Begleitung – moderne Produktion verlangt Geschwindigkeit. Unsere Aufgabe ist es, beides miteinander zu verbinden.“
Die Stärke der Menschen
Trotz aller Veränderungen bleibt der Mehrwert inklusiver Arbeit deutlich sichtbar. „Unsere Schnürsenkel- und Verpackungsgruppe ist großartig“, sagt Pim. „Sie bringt jeden Morgen unglaublich viel positive Energie mit. Das wirkt sich auf das ganze Team aus.“
Doch ihr Beitrag geht weit über die Stimmung hinaus. „Unsere Kollegen haben ein extrem gutes Auge fürs Detail. Wenn etwas nicht stimmt, sehen sie das sofort. Diese Genauigkeit spiegelt sich direkt in der Qualität unserer Produkte wider.“
„Ich arbeite hier gerne – ich bin aktiv und kann etwas beitragen”
Rikki, Produktion
„Ich arbeite seit 14,5 Jahren bei EMMA. Ich habe in der Küche angefangen, dann im Finish, in der Logistik und jetzt in der Produktion. Die Abwechslung gefällt mir sehr. EMMA ist als Arbeitgeber besser geworden. Es wird viel dafür getan, die Arbeit zu erleichtern. Ich arbeite hier gerne – ich bin aktiv und kann etwas beitragen.“
Teamleiter Jos über Rikki: „Rikki kann sich extrem fokussieren. Was er macht, macht er perfekt. Qualitätsabweichungen erkennt er sofort – das ist beeindruckend.“
In Wachstum investieren
Auch in Zeiten des Wandels bleibt die Entwicklung der Mitarbeitenden zentral. „Viele starten bei uns mit etwa 40 % der üblichen Leistung“, erklärt Pim. „Das bauen wir Schritt für Schritt auf. Dabei geht es nicht nur um Arbeit, sondern auch um Zugehörigkeit. Nach drei bis sechs Monaten zeigt sich meist, ob Entwicklung möglich ist. Und wir sehen immer wieder, wie Menschen sich so weiterentwickeln, dass sie voll integriert arbeiten. Genau darum geht es.“
„Man muss genau arbeiten – und das klappt gut. Ich bekomme auch Komplimente."
Daniel, Produktionsmitarbeiter
„Ich habe mich vom ersten Tag an willkommen gefühlt. Die Arbeit ist abwechslungsreich und spannend. Man muss genau arbeiten – und das klappt gut. Ich bekomme auch Komplimente. Heute bin ich ein vollwertiger Mitarbeiter – darauf bin ich stolz.“
Ron Eymael über Daniel: „Es ist großartig zu sehen, wie er sich entwickelt hat. Das hat er sich absolut verdient.“
Blick nach vorn: Kontinuität als Grundlage
„Soziale Verantwortung beginnt mit wirtschaftlicher Stabilität“, sagt Pim. „Nur ein gesundes Unternehmen kann langfristig inklusiv sein. Der Markt wird schneller, dynamischer – wir müssen flexibler und effizienter werden. Wir wollen Inklusion behalten, aber wir müssen neue Wege finden, sie möglich zu machen. Wichtig ist für uns: Niemand darf ausgeschlossen werden – auch dann nicht, wenn es schwierig wird.“
